Erftdom

Grundsteinlegung vor 130 Jahren



Im Volksmund wird sie „Erftdom“ genannt, gemeint ist die Kirche St. Lambertus in Bedburg. Eine Kirche mit wechselvoller Geschichte und unbekanntem Anfang.

Die Messe wurde um 1800 noch in der alten Pfarrkirche gehalten. Sie lag außerhalb der Stadtmauer, am heutigen Friedhof. Die Kirche war aber baulich in keinem guten Zustand. Überdies schien sie für ihre Gemeinde zu klein geworden zu sein. Durch die Ansiedlung der Wollindustrie und der Zuckerfabrik wuchs die Anzahl der Einwohner. Die Pfarrkirche, auch „Capelle St. Lamberti“ genannt, hat man deswegen etwa um 1820 abgetragen.

Der damals zuständige Pfarrer Christian Claeßen und der Direktor der Rheinischen Ritterakademie Diehl, setzten sich für einen Neubau der Kirche ein. Nicht alle Gemeindemitglieder konnten sich mit diesem Plan anfreunden. Den Neubaugegnern waren die Baukosten viel zu hoch und sie mutmaßten, dass die Kosten noch ziemlich steigen könnten. Für einen weiteren Einwand benutzten sie die Erft als Argument. Sie befürchteten, dass die Erft bei Hochwasser das Bauwerk unter Wasser setzen könnte. Der Wirt Heinrich Schütz sandte sogar Briefe an die Königliche Regierung in Köln und an den Reichskanzler Otto von Bismarck mit der Bitte um Ablehnung der Baulichkeit. Am Ende konnte sich der Pfarrer durchsetzen.
St. Lambertus Pfarrkirche St. Lambertus Bedburg


Der Bedburger Bürgermeister Kaumanns, ein Befürworter des Neubaus, erteilte am 20. März 1891 die Bauerlaubnis. Danach beauftragte man den Neusser Architekten Julius Busch, eine neue Kirche auf dem Grund des alten Klostergeländes zu bauen. Er plante ein Gebäude von etwa 45 m Länge und 15,5 m Breite. Dem Bauwerk gab er eine Raumhöhe von 16 m. Um Platz für den Neubau zu schaffen ließ man bereits im Jahr 1890 die Klosterkirche abreißen. Die abgetragenen Mauersteine verwandte man für den Neubau.

St. Lambertus Querschnitts-Skizze Arch. Busch
Im April 1891 steckte man den Bauplatz ab, damit sich die Einwohner einen Eindruck von den Maßen der Kirche machen konnten. Auch stellte man die Pläne des Bauwerks öffentlich aus. Es erfolgten die Ausschreibungen für das Bauwerk, daraus ist ersichtlich, dass man gut 1 Million Ziegelsteine benötigte. Frühmorgens am 20. Mai 1891, der Beginn der Bautätigkeit, erbat Pfarrer Claeßen im Gottesdienst den göttlichen Segen für die Bauarbeiten.

Man begann mit Fundamentierungsarbeiten und verlegte am 12. Juni den ersten Mauerstein. Zur Vorbereitung der Grundsteinlegung wurde eine Anschüttung des Bauplatzes notwendig. Diese Arbeiten haben Gemeindemitglieder freiwillig geleistet mit über 1.000 Fuhren Sand.


An einem Sonntag, dem 26. Juli 1891 war es denn so weit. Nachmittags gegen vier Uhr ging man von der alten Pfarrkirche unter Glockengeläut und Böllerschüssen zur Baustelle. Diese war mit hohen beflaggten Masten umstellt, die mit Girlanden verbunden waren. Die Honoratioren der Stadt versammelten sich und man schritt zur Grundsteinlegung. Vier Bauleute trugen einen schweren Grundstein. Im Grundstein befand sich ein Stein aus den Katakomben des hl. Calixtus, unweit der Via Appia Antica in Rom, ein Geschenk des Papstes. Eine Urkunde und Münzen sowie die Zeitschrift „Erft-Bote“ durften auch nicht fehlen. Ein Chor war natürlich anwesend und man spendete fleißig, etwa 600 Mark kamen zusammen.

In drei Jahren hatte man das Bauwerk im neugotischen Stil fertig erstellt. Beim Bau gab es etliche Probleme, zum Teil mussten errichtete Teile abgerissen und neu aufgebaut werden. Nun kamen auch die Bedenken der Gegner des Baues an den Tag. Der unsichere Baugrund, der hohe Grundwasserstand bereiteten nicht nur bauliche Schwierigkeiten sondern trieben auch die Kosten in die Höhe. Bei veranschlagten 100.000 Mark mussten nun 116.000 Mark gezahlt werden. Es fehlte jedoch der Turm der Kirche. Dafür benötigte man weitere zwei Jahre, er wurde im Jahr 1896 vollendet. Die Ausstattung der Kirche brauchte Zeit und die Arbeiten wurden erst 1909 vollständig abgeschlossen.

Der Pfarrer Julius Frischen weihte in einer feierlichen Veranstaltung vom 2. bis 4. Juni 1894 die Kirche. Anschließend konsekrierte der Weihbischof Dr. Hermann-Josef Schmitz das Bauwerk, das heißt, das Gebäude wurde der weltlichen Benutzung entzogen und in Gottes Dienst gestellt. Ausführlich berichtete der „Erft-Bote“ über diese Feierlichkeiten.

Schäden, hervorgerufen durch den Untergrund, zwangen 1966 zu einer langfristigen Schließung der Kirche. Eine Sanierung wurde nach mehreren Jahren 1978 abgeschlossen. Leider ereignete sich ein Jahr nach der Schließung ein tragisches Unglück. Während eines Sturms kippte ein Turmhelm auf den Vorplatz. Ein Mann saß wartend in seinem Auto und wurde von den herabfallenden Teilen erschlagen.
St. Lambertus Pfarrer Julius Frischen


Heinz-Toni Dolfen, 2021

Quellen:
Clemen, Paul
Die Kunstdenkmale der Rheinprovinz.Die Kunstdenkmäler des Kreises Bergheim
Erft-Bote
Zeitschrift
Rheinischer Städteatlas (LVR)
Bedburg
Schmitz Heinz Gerd
Die Geschichte der neuen Lambertuskirche, in Historische Wurzeln kirchlichen Lebens in Bedburg
Kirchen, Krippen & Kapellen in Bedburg/Erft
Verein für Geschichte und Heimatkunde Bedburg e.V.