Der Oppendorfer Hof, so wurde er über Hunderte von Jahren genannt, wird heute als Schunkenhof geführt. Die Geschichte des Ortes ist fast identisch mit diesem Hof.

Oppendorfer Frühzeit


Schon in früheren Zeiten schätzten Menschen den Lipper Bach (auch Etgendorfer Bach), heute Pützer Bach. Die Menschen frequentierten dieses Gebiet, hinterließen Funde, die aus der Stein- und Römerzeit stammen. Nicht zuletzt der Ort Lipp, der wohl aus der keltischen Zeit stammt, bezeugt die lange Besiedlungsgeschichte.

Wo es Wasser und Wild gab, da streiften schon früh die Jäger durch. Bei Sesshaftwerdung der Menschen, brauchten sie fruchtbare Ackerböden, und unsere Bördenlandschaft ist eines der ertragreichten Gebiete in Deutschland. Etwas westlicher von Lipp liegt der Weiler Oppendorf, heute mit etwa 69 Bewohnern (Stand 31.03.2020), vor 220 Jahren bestand der Weiler aus überschaubaren neun Personen, zwei Ackerer, drei Mägde und vier Knechte.

Oppendorf, im Tal des Lipper Bachs, auf ca. 68 m NN-Höhe gelegen, wird nördlich von der Anhöhe Schunkenacker (früher: Brezelen Berg) und südlich vom Heidberg (früher: Auf der Lipper Höhe) eingerahmt. Der Höhenunterschied vom Tal zur Höhe beträgt etwa 14 Meter. Bei der Endung des Ortsnamens mit –dorf, wird meist eine Gründung durch die Franken angenommen, die im 4. bis 5. Jh. im westlichen Rheinland die Herrschaft übernahmen und Orte bzw. Weiler gründeten.

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Tranchot-Karte von Oppendorf, etwa 1806/07

Aus der Vorzeit des Weilers gibt es keine wesentlichen Funde, Ausgrabungen oder Berichte. Es gab ein einschneidendes Ereignis in dieser Region, das war der Normannensturm von 881. Diese zogen von Neuss aus in unsere Region und hinterließen die Hofverbände Kirch-/Grottenherten und Mündt menschenleer, so dass die Äcker nicht bestellt wurden. Seltsamerweise wurden Bedburg und die angrenzenden Orte, auch Oppendorf, verschont. Erst Jahrhunderte danach können wir etwas Schriftliches finden, wenig über den Weiler selbst, mehr über den dort dominierenden „hof zu Uppendorp“. Die Geschichte über Oppendorf handelt fast überwiegend über die Halfen und Pächter der Höfe dieses Dorfes, da sonst kaum Zeugnisse vorhanden sind.

St. Gereon, früher Eigentümer des Oppendorfer Hofes


St. Gereon, ein Kölner Stift, wurde schon im 4. Jh. schriftlich erwähnt. Die Kirche St. Gereon gehörte zu den wichtigsten fränkischen Königskirchen im Lande. Landbesitz des Stiftes kann bereits im 9. Jh. nachgewiesen werden. Bereits früh besaß das St. Gereon Stift Ländereien und Güter um Lipp herum.

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Sankt Gereon, Köln © Allie_Caulfield/CC BY(https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Das Kloster Reichenstein, im Monschauer Land, konnte im Jahr 1242, Ländereien zu Lipp erwerben, beurkundet vom Probst Arnold von St. Gereon, zum Teil mit Gelände, das anscheinend zum Oppendorfer Hof gehörte. Von Winand, genannt der Schotte, erwarb das Kloster Reichenstein im Jahr 1244 etwa 30 Morgen Ackerland in Oppendorf (Appendorpf). Auch diesmal wieder beurkundet vom Probst Arnold von St. Gereon.

Dieses Land pachtete Winand für sich und seine Erben sofort wieder an. Dafür musste er einen jährlichen Pachtzins von vier Malter Weizen und acht Malter Roggen und 30 Denare zahlen. Die übliche Pachtvereinbarung, in Naturalien zu zahlen, wurde hier schon um eine monetäre Komponente erweitert. St. Gereon überließ dem Kloster Jahre später nochmals 15 Morgen in Oppendorf, im 14. Jh. waren es etwa 89 Morgen in Oppendorf, die dem Kloster gehörten.

Die Besitzungen von St. Gereon waren aber immer noch groß. Der Oppendorfer Hof, mit einer Kuhweide am Bach sowie weiteren Weiden, Baumgärten, Gebäuden und Stallungen und Hof wurde im 16. Jh. noch mit einer Fläche von etwa 400 Morgen (1 km²) angegeben.

Was heute kaum noch einer weiß, ist das es in Oppendorf eine Mühle gab. Zum 26. Juni 1263 stellte Graf Wilhelm IV. von Jülich eine Urkunde aus, indem eine Mühle in Oppendorf bekannt wurde. Die Hälfte der Mühle – eine Windmühle – und des Fischteichs zu Oppendorf wurden, für eine jährliche Pacht von 4 Denare, an einen Godfried, genannt Brabant, sowie seiner Frau und seinem Sohn Luther verkauft, einschließlich Mühlenzwang und Reparaturpflicht.

Die Mühle könnte schon 1131 erwähnt worden sein. In einem Dokument vom 25. Oktober 1131 erklärte der Kanonikus Werinbol von St. Gereon, dass er vom eigenen Geld eine Mühle im Gillgau gekauft (nach den Geschichtsforschern die Oppendorfer Mühle) und diese den Brüdern von St. Gereon geschenkt habe. Erworben hatte er sie von dem Ministerialen des Domes (alter Kölner Dom), der Amalrich hieß. Ihre Lage wird beschrieben zwischen Troisdorf und Lipp, wahrscheinlich auf dem Brezelen Berg.

Oppendorf kommt zum Amt Grevenbroich


Durch einen Verkauf der Eheleute Werner und Helleburgis Prinzel kamen der Hof und die Gerichtsbarkeit Lipp zum Grafen Gerhard von Jülich. Zum Jahr 1343 erhielt der Ritter Cono aus Putze (Pütz), vom Grafen Gerhard, Lipp als Lehen und wurde so zum Lipper Burggraf. Die Jülicher integrierten Lipp nicht ins nahegelegene Amt Kaster, sondern in das Amt Grevenbroich. Da Oppendorf auch im Lipper Herrschaftsbereich lag, gehörte es somit auch zum Amt Grevenbroich.

Das Kapitel von St. Gereon erlässt, im Jahr 1349, dem Ritter Cono (genannt Kirksdorf von Ennen) und seiner Gattin Agnes, eine Rente von 7 Sümmer Hafer und 7 Pfennigen, die diese für ihren Hof zu Oppendorf an sie zu zahlen hatten. Diese Urkunde bezeugten der Ritter Heinrich aus Harve (Harff) und der damalige Pastor zu Lipp Lambrecht.

Es wurden auf den Höfen Roggen, Hafer, Gerste und Weizen angebaut, wobei Roggen dominierte. Der Roggen wurde mit Sauerteig zum Schwarzbrot gebacken, das Brot, dass den meisten Bürgern als Grundnahrungsmittel zur Verfügung stand. Zudem wurden aus den Sorten Hafer-, Gersten- oder Buchenweizengrütze erstellt, meist zum Frühstück, aber auch als Beilage zur Hauptmahlzeit.

Aus einer weiteren Urkunde vom gleichen Tag, den 5. April 1349, erfahren wir, dass Heinrich aus Lupe (Lipp), Patron der Kirche zu Lipp, dem St. Gereon Stift gestattete, gegen eine einmalige Abfindungssumme von zehn Mark, einen jährlich zu zahlenden Zins von Wachs abzulösen (wegen eines Weges durch das Gebiet des Hof Oppendorf). Genannt werden ein Wilhelm von Uppendorp und andere. Gesiegelt wieder von Ritter Heinrich von Harve (Harff), dem Pastor in Lipp Lambrecht sowie Reinard von Middelendorf (Millendorf). Es könnte der Weg gemeint sein, der an der Hubertuskapelle vorbeiführt und danach in Richtung Norden abbiegt, auch Pützerweg genannt.

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Eichmaß für den Kölner Sümmer (ca. 35 Liter)
© HOWI-Horsch,Willy/CC BY(https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)

Zum März 1390 verkaufte St. Gereon, vertreten durch den Raugraf und Propst Kuni, dem Reinhard aus Midlander (Millendorf) zusammen mit Brüdern und Schwägern, als Lehen 30 Morgen Ackerland in Oppendorf. Dafür musste eine jährliche Pacht von 8 Malter Weizen gezahlt werden.

Hilla Catharina Mettel sowie ihre Schwester Mynta, Töchter des verstorbenen Johann Scheyffers aus Millendorf, pachteten den Hof in Oppendorf von St. Gereon im Jahr 1393 für zehn Jahre. Es ist der erste noch erhaltene Pachtvertrag über diesen Hof. Da die Schwestern kein eigenes Siegel hatten sprang der Pastor zu Lipp, Wynannt, ein. Als Pachtgebühr wurden 62 Malter Roggen „Coelscher maaßen“ festgelegt. Man kann annehmen, dass ihr Vater Johann zuvor der Pächter des Hofs war.

Es ist nicht so, wie immer wieder dargestellt, dass die Frauen im Mittelalter keine oder kaum Rechte hatten. Die Töchter konnten in diesem Fall in den alten Vertrag eintreten und zugleich einen neuen Vertrag abschließen. Oft trifft man Verträge an, wo die Ehefrau den Pachtvertrag zusammen mit einem Sohn übernimmt. Man glaubte, die Ehefrau könnte ohne männliche Hilfe den Gutsbetrieb nicht aufrechterhalten. Deshalb war die Ehefrau vielfach gezwungen, kurz nach dem Tod ihres Ehemanns, sich wieder neu zu verheiraten.

Die Kölner Stiftsbrüder aus St. Gereon kauften 1411, für 95 rheinische Gulden, eine Hofstätte mit 30 Morgen Ackerland hinzu. Verkäufer waren eine Bela, auch Soeten aus Middelendorp (Millendorf) genannt, und ihre Söhne Heinrich, Wilhelm und Reinhard. Man vermutet, dass dieser Hof danach mit dem Gereonshof zusammengelegt, gemeinsam bewirtschaftet und verpachtet wurde, weil keine separaten Pachtverträge für diesen Hof zu finden sind.

Die Halfen aus Oppendorf


hubertuskapelle

Hubertuskapelle aus dem 17. Jh., wahrscheinlich auf dem Grund einer bereits vorher vorhandenen Kapelle.



Im Jahr 1440 begegnet uns ein Hermann von Oppendorp, Sohn des Arnold von Oppendorp, als Pächter des Hofes (Pachtbetrag: 50 Oberländisch-Rheinische Gulden). Der Halfe Peter von Oppendorp wurde es 1447, vermutlich ein Sohn von dem vorgenannten Hermann. Die Zahlung der Pacht erfolgte hier nicht in Naturalien, sondern es wurden anfangs „44 kauffmansgulde“ veranlagt. Die Pachtzeit war auf zwölf Jahre angelegt. Dieser Pächter überwarf sich aber mit St. Gereon (der Grund wurde nicht mitgeteilt), worauf am 7. März 1449 sogar ein Versöhnungsdokument ausgestellt wurde.

Die obengenannten Hermann, Arnold und Peter von Oppendorf sind nicht adelig. Das Wort „von“ in den Schriften bedeutet nur, sie kamen „aus“ Oppendorf. Als Angehörige eines Ortsadels hätten sie ein eigenes Siegel gehabt, sie alle hatten kein Siegel und mussten deshalb wie im Fall von Peter durch den Schultheiß von Paffendorf, Peter van Hasteyn, siegeln lassen. Er erklärte:

„Want ich geyn eygen segell enhain, so hain ich gebeden den Ersamen Peter van Hasteyn, Schoultiß zo paffendorf, dat hey syn segel vur mich an dessen brieff will hangen …“.

„Da ich kein eigenes Siegel besitze, so habe ich den Ehrsamen Peter van Hasteyn, Schultheis zu Paffendorf, gebeten, dass er sein Siegel für mich an diesen Brief hängen soll …“



Im Jahr 1489 wird als Pächter Kirsten Koeßgen aus Engelstorp (Engelsdorf, ein Hof bei Mechernich) zusammen mit seiner Ehefrau Bela genannt. Daraus ist zu erkennen, dass es sich um 205 Morgen Land handelt, die in drei Gewannen aufgeteilt waren. Auch erwähnt wurden 30 Morgen, deren Lage mit „over die bach an der wyntmoellen" („über den Bach bei der Windmühle“) angegeben wird. Seit dem wissen wir, dass es eine Windmühle war. Verpächter und Pächter einigten sich aber auf eine Pachtzahlung in Naturalien. Er musste diese Pacht jährlich ins Stift nach Köln bringen, ihr Umfang bestand aus 68 Malter Roggen und drei „verken“ (Schweine).

Das Schwein, das ausschließlich draußen gehalten wurde, war das gängigste Fleisch was auf den Tisch kam. Es wurde auf Wiesen getrieben, die allen zugänglich waren (Allmende genannt) und in den Wald, wo es sich von Eicheln und Bucheckern ernähren konnte. Aber auch das Schaf spielte eine Rolle, wobei Ochs und Pferd meist als Ziehtiere genutzt wurden. Vielfach gab es Esel als Lastenträger, in einigen Dörfern gibt es noch Hinweise auf einen Eselsmarkt.

Die Schunken Halfen


Im Jahr 1602 gab es einen Kaufvertrag mit Landtausch zwischen Oppendorf und Millendorf. Als Zeuge in diesem Vertrag wird ein „Johann Schunken, halbmann zu Oppendorff“ genannt. Johann Schunken (Schunck) war damit voraussichtlich der erste Pächter mit Namen Schunken, wonach der Oppendorfer Hof später benannt wurde. Bis heute trägt er nun den Namen „Schunkenhof“.

Schunken Johann
erstmals 1602 genannt
vermutlich erster Schunkenhalfe.

Die Besitzer der Ländereien wurden ursprünglich die, die als die "Freien“ bezeichnet wurden. Ebenso wie Fürsten mussten sie Wehrgeld zahlen und waren oft die Schöffen ihres Gebiets. Im Kriegsfall waren sie verpflichtet mit Pferd und Harnisch ihrem Landesherrn zu dienen. Ein Teil der Freien konnten aber ihre Besitzungen nicht mehr halten und verkauften sie an Klöster oder andere Großgrundeigentümer. Sie wurden Pächter auf ihrem Besitz. Waren sie „Unfreie“, so mussten sie ihrem Dienstherrn „fronen“, sie hatten ihm Dienste zu leisten. Der Name Fronhof kommt daher.

Durch die Entstehung der Städte wanderten viele Landbewohner in diese ab. Weil die Großgrundeigentümer aber ihre Bauern auf ihren Feldern halten wollten, mussten sie den Bauern mehr und mehr Rechte einräumen. So kam es zu einer ausgeglichenen Risikoverteilung, nun durften die Pächter oft die Hälfte des Ertrages behalten. So kommt es zu der Bezeichnung „Halfe“, die Hälfte also für sie. Da es bei uns einige Städte gab und die Landeigentümer bereit waren den Bauern mehr Chancengleichheit zu ermöglichen, gab es in unserer Region auch keine Bauernaufstände.

hubertuskapelle

Oppendorfer Hof, Hofdurchfahrt



Neben dieser Großhofverpachtung gab es auch immer kleinere Verpachtungen wie im Jahr 1634. Eine kleinere Parzelle von 13 Morgen, die ein Peter Schmitz aus Oppendorf gepachtet hatte, wurde nun an Wilhelm Reedt, Primissarius (Priester oder Vikar, Frühmessherr, der die frühe Messe gestaltete) in Caster, vergeben.

Außer Getreide bauten sie auch Gemüse, natürlich Rüben und Waid an. Der Obstanbau wurde im kleineren Umfang betrieben.

Der Oppendorf Hof ist nach Johann vermutlich in der Familie geblieben und an Adolf Schunken und Margaretha Sinsteden gegangen. Adolf ist in Oppendorf geboren, wo er auch verstarb. Margaretha Sinsteden kam vom Zenshof in Bedburg-Rath. Ihre Eltern waren die Pächter des Deutschherrenguts.

Sie hatten zwei Söhne, Vinzenz und Adam. Vinzenz, der ältere Sohn, heiratete Ursula Hamacher und wurde Halfe auf einem Hof in Glesch. Adam kam etwa vier Jahre später auf die Welt.

Dadurch, dass die Halfen die Hälfte der Erträge behalten durften, wurden einige von ihnen vermögend. Ein Problem bestand aber immer wieder, dass war die Erbteilung und damit die Verkleinerung der Anbauflächen. Deshalb versuchte man, den Hof einem der Nachkommen zu übergeben und die Anderen auf andere Pachthöfe unterzubringen, wie in diesem Fall mit Vinzenz.

Schunken Adolf
* 1625 Oppendorf
† 27.10.1664 Oppendorf
∞ Margaretha Sinsteden

Sinsteden Margaretha
† 19.08.1679 Oppendorf

Schunken Vinzenz
* 12.03.1651 Oppendorf

Schunken Adam
siehe unten

Adam Schunken ist zu irgendeinem Zeitpunkt in den Pachtvertrag seiner Eltern eingestiegen. Die Pachtverträge wurden üblicherweise auf zwölf Jahre abgeschlossen. Am 1. Februar 1680 hatte er einen neuen Pachtvertrag bekommen. Die Verträge wurden auch von den Ehefrauen unterschrieben. Verstarb der Ehepartner, so konnte die Witwe den Hof weiterführen.
Die Pacht, zumindest den Hauptteil, wurde zu St. Remigius (Anfang Oktober) fällig. Diese bestand ja meist aus Naturalien und der Pächter mußte sie dem Verpächter frei Haus liefern. Das Risiko des Transport lag also beim Pächter und war in unsicheren Zeiten gefahrvoll. Auch war es nicht unproblematisch, wenn Lebendvieh über weite Strecken zu transportieren waren. Wurde ein neuer Vertrag abgeschlossen, so hatte der Pächter eine Gebühr zu entrichten, den "trockenen Weinkauf". Dieser Begriff erinnert daran, dass hier ursprünglich Wein als Gebühr zu entrichten war, was sich später aber zu den verschiedenartigsten Abgaben entwickelte.

Adam heiratete in Kirchherten die Tochter eines Halfen aus Bedburg-Pütz. Sie hieß Margaretha Friedrichs, ihr Vater war der Schöffe Matthias Friedrichs, verheiratet mit Maria Spix. Auch Adam wurde auf dem Hof geboren und verstarb dort. Auf seinem Grabstein stand, dass er Schöffe war. Sie hatten sechs Kinder.

Uns erzählt ein Dokument vom 12. April 1692, dass nunmehr Margaretha Friedrichs (die Witwe von Adam Schunken), mit ihrem Sohn Matthias die Pacht über den Hof erhalten habe. Dabei vermerkt das Dokument sogar, dass die Witwe demnächst eine neue Ehe eingehen möchte.

Matthias, ihr erstgeborener Sohn, ist aber anscheinend nicht in die Halfen-Rolle des Hofes gekommen. Er heiratete Gertrud Förster aus Zons (Dormagen), die Tochter von Adolf und Sibilla Förster. Er wurde Pächter auf Gut Hohenholz. Als Gertrud verstarb wurde Christine Hambloch 1712 seine Ehefrau, eine Tochter von Hildebrand und Katharina Müller.

Schunken Adam
* 30.05.1655 Oppendorf
† 11.02.1692 Oppendorf
∞ 10.03.1680 Kirchherten, Margaretha Friedrichs

Friedrichs Margaretha
† 07.10.1737 Oppendorf

Schunken Mathias (Halfe Gut Hohenholz)
* 30.03.1681 Oppendorf
† 14.01.1766
∞ Gertrud Förster
∞ 1712 Christina Hambloch

Schunken Johann
* 10.01.1683 Oppendorf

Schunken Maria
* 01.03.1686 Oppendorf

Schunken Anna Catharina
* 11.?.1688 Oppendorf

Schunken Elisabeth
* 23.03.1690 Oppendorf
† 23.12.1742 Lipp (Vanikum)
∞ 05.10.1721 Lipp, Vinzenz Everz

Schunken Adam
* 18.05.1692 Oppendorf
∞ Elisabeth Hambloch
Fünf Monate nach dem Tod ihres ersten Mannes, am 15. Juli 1692 vermählte sich Margaretha Friedrichs mit Johann Kochs aus dem benachbarten Troisdorf. Beide wurden nun als Halfe auf dem Schunkenhof geführt. Der Pachtvertrag, datiert vom 12. Februar 1704, wurde auf 12 Jahre ausgestellt.

Deren jährliche Pacht belief sich auf 50 Malter Roggen, 12 Malter Gerste, 10 Malter Weizen, 2 Malter weiße Erbsen und zwei fette Schweine. Zusätzlich mussten sie auf eigene Kosten eine ausführliche Spezifikation der Hofländereien erstellen. Dieses Spezifikations-Dokument ist nicht erhalten geblieben.

Eine derartige Spezifikations-Beschreibung ist auch aus dem Jahr 1787 bekannt, die angefertigte Karte ist ebenfalls nicht mehr vorhanden. Der Freiherr von Ritz auf dem naheliegenden Haus Etgendorf, Oberamtmann von Grevenbroich, hatte mit dieser Aufgabe den Landvermesser Johann Michael Wintzen beauftragt. Es sind nur die Protokolle der Flurbegehungen vom 17. Bis 22. Oktober noch vorhanden. Seitens des Stifts hatte dem Geodäten „des Capitels zu St. Gereon Halbwinner Adam Hambloch" assistiert.

Da nun für den Hof ein neuer Pächter genannt wurde, war die Familie Schunken, nach etwa 100 Jahren, nicht mehr Pächter des Hofes. Die Grabsteine der Schunken-Familie waren bis vor dem 2. Weltkrieg noch auf dem Friedhof an der Lipper Kirche zu sehen, da Oppendorf zur Pfarre Lipp gehörte. In ihrer Halfenzeit wurde die Hubertuskapelle errichtet. Man vermutet, dass eine Kapelle bereits vorher auf diesem Grund errichtet worden war. Die langjährige Pachtzeit des Hofes hat dazu geführt, dass der Hof in seiner Umgebung der Schunkenhof hieß, wie er auch heute noch genannt wird. Urkunden sprechen aber immer wieder vom Oppendorfer Hof.

Die Famile Hambloch


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Kapelle und Hof

Margaretha und Johann Kochs hatten eine gemeinsame Tochter, die Katharina hieß. Katharina Kochs heiratete im Jahr 1722 den Heinrich Hambloch. Dieser wurde der nächste Halfe auf dem Schunkenhof. Heinrich Hambloch war Schöffe und „magister philosophiae“. Die Eltern von Heinrich waren Hildebrand Hambloch und Katharina Müller, die Halfen vom Großen Mönchhof. Katharina Kochs verstarb im Alter von 69 Jahren auf dem Hof. Sieben Jahre später verstarb ihr Ehemann Heinrich, ebenfalls auf dem Hof.

Heinrich und Katharina hatten sieben Kinder, darunter waren zwei Töchter. Maria Sophia heiratete einen Johann Heinrich Gatzen, sie waren Halfen auf dem Hof Käskorb. Johann Godefried wurde Pastor in Immerath und Matthias ging zu den Augustinern. Bild

Hambloch Heinrich
* 28.10.1696 Großmönchhof
† 02.04.1770 Oppendorf
∞ 23.06.1722 Lipp, Katharina Kochs

Kochs Katharina
* 1694
† 21.03.1763 Oppendorf

Hambloch Maria Margaretha
* 06.06.1723 Oppendorf

Hambloch Johann Godefried
* 21.06.1725 Oppendorf

Hambloch Maria Sophia
* 17.04.1727 Oppendorf
† 20.04.1760 Käskorb
∞ 19.02.1753 Lipp, Thomas Gatzen

Hambloch Adam
siehe unten

Hambloch Matthias
* 20.04.1731 Oppendorf
† 1753

Hambloch Petrus Joseph
* 23.01.1735 Oppendorf
† 10.01.1752 Oppendorf

Hambloch Christian
* 1738 Oppendorf
† 17.05.1758 Oppendorf



Da die Halfen in verschiedenen Zeitabschnitten gut verdienten, konnten sie ihren Kindern auch eine gute Ausbildung bieten. Exemplarisch sieht man das an Heinrich Hambloch, der ein „magister philosophiae“ Studium absolviert hatte.

Der Sohn von Heinrich Hambloch und Katharina Kochs, Adam, übernahm den Hof. Er heiratet in Lipp die Maria Cäcilia Gartzen vom Käskorb. Es war eine Doppelhochzeit in den Familien Hambloch/ Gartzen, denn auch Maria Sophia Hambloch heiratet am selben Tag den Thomas Gartzen.

Maria Cäcilia Gartzen hatte zwölf Kinder zur Welt gebracht und eine Zwillingsgeburt. Die Zwillinge sind bei oder nach der Geburt verstorben (4. November 1775). Man könnte vermuten, das dies der Grund war, weshalb Adam und Maria Cäcilia im Jahr 1776 ein Wegekreuz am Hofe errichteten. Das restaurierte Kreuz steht heute noch.

Darauf steht sinngemäß: "Adam und Cäcilia in Ehe vereint. Die emporgehobene Maria, die Mutter des gekreuzigten Gottes, beschütze uns." BildKreuz von Adam und Cäcilia Hambloch, 1776

Hambloch Adam
* 16.06.1729 Oppendorf
† 02.11.1815 Oppendorf
∞ 19.02.1753 Lipp, Maria Cäcilia Gartzen

Gartzen Maria Cäcilia
* 1727 Käskorb
† 08.11.1790 Oppendorf

Hambloch Maria Catharina
* 09.05.1754 Oppendorf

Hambloch Heinrich
* 06.11.1755 Oppendorf

Hambloch Maria Sophia
* 26.01.1757 Oppendorf
† 27.08.1814 Oppendorf

Hambloch Maria Christina
* 07.08.1758 Oppendorf

Hambloch Maria Margaretha
* 21.03.1760 Oppendorf

Hambloch Heinrich Joseph
* 15.06.1761 Oppendorf

Hambloch Maria Anna
* 16.09.1762 Oppendorf
† 16.03.1782

Hambloch Heinrich
* 23.11.1763 Oppendorf
† 14.02.1765 Oppendorf

Hambloch Martin
* 17.09.1774 Oppendorf
† 14.09.1775 Oppendorf

Hambloch Heinrich Godefried Gereon
* 10.10.1767 Oppendorf

Hambloch Johann Casimir
* 01.03.1769 Oppendorf
† 15.11.1801

Hambloch Heinrich Godefried Petrus
* 28.03.1771 Oppendorf
† 31.05.1803 Oppendorf (ledig)

Wer ist Johann?


Am 30. Januar 1788 wurde der Pachtvertrag für den Hof auf Johann Hambloch mit Ehefrau Catharina Gartzen ausgestellt, mit einer Laufzeit von 12 Jahren. Man liest, dass Johann ein Sohn von Adam sein soll. Adam und seine Ehefrau hatten, nach dem Kirchenbuch aus Lipp, zwölf Kinder, wie oben aufgezählt.

In der Liste gibt es nur einen Johann, nämlich den am 1. März 1769 zu Oppendorf geborene Johann Casimir. Dieser verstarb am 15. November 1801. Dabei wurde vermerkt, dass er Pastor war. Also scheidet er als Pächter aus. Da stellt sich die Frage, wer war dieser Johann Hambloch? Auch aus dem Verwandtenkreis konnte für diesen Zeitraum kein passender Johann gefunden werden. Die Frage konnte bis jetzt nicht gelöst werden.

Die Pachtgebühr für Johann hatte sich, wie so oft erhöht, und betrug nunmehr 60 Malter Roggen, 15 Malter Weizen, 40 Malter Gerste und 7 Malter Hafer. Der Pachtbrief, ausgestellt auf Johann Hambloch, wurde zum 30. Januar 1800 für weitere zwölf Jahre verlängert. Es ist der letzte Vertrag vor der Säkularisation.

In diesem Vertrag wurde aber schon Adams Tochter Anna Maria mit ihrem Ehemann Franz Schmitz aufgeführt. Anna Maria Hambloch wurde am 16. September 1762 in Oppendorf geboren. Franz Schmitz war gebürtig aus Kirchtroisdorf und wurde am 23. Februar 1777 dort getauft. Diese stiegen irgendwann in diesen Vertrag ein. Während ihrer Pachtzeit, muss das Hofgebäude einem Brand zum Opfer gefallen sein, wie einer undatierten Notiz zu entnehmen ist. Irgendwann im Juni in den Jahren 1800 bis 1812.

20 Jahre französische Herrschaft


Nach mehreren hundert Jahren Jülicher Feudalherrschaft - auch über Oppendorf - endete diese, als die Franzosen ab 1794 das Rheinland übernahmen. Mit ihnen kam ein gewaltiger Umbruch. Der Adel wurde abgeschafft, die Feudalrechte entfielen, die Gesetze wurden reformiert (Gleichheit für Alle), die freie Berufsausübung wurde gewährleistet.

Die neue Verwaltung gliederte die Gebiete neu auf. Oppendorf kam zur Marie Kaster, wie Lipp, Millendorf, Epprath, Tollhaus und Darshoven. Unter den Franzosen wurden die Klöster enteignet, ihre Höfe ab 1802 verkauft, so auch der Schunkenhof.

Unter den Preußen


Nach dem Abgang der Franzosen, ging die Herrschaft auf die Preußen über. Am 20. April 1818 entstand der Kreis Bergheim und Oppendorf gehörte zur Bürgermeisterei Kaster. Die wirtschaftliche Entwicklung war aber schwierig zu dieser Zeit. Im Jahre 1820 wurden etliche Gutshöfe im Kreis verkauft oder versteigert. Dieses Schicksal ereilte auch den Schunkenhof.

Laut Zählung der Bürgermeisterei Kaster im Jahr 1830 hatte der Schunkenhof (offiziell als Hof Oppendorf ausgewiesen) 4 Bewohner, die nahegelegene Gaulshütte (Gaulshof) zählte 15 Einwohner.

Famile Rath


Als nächster auf dem Hof wurde, der in Morken geborene, Albert Hubert Rath bekannt. Er heiratete am 20. Oktober 1885 Maria Margarethe Baumann. Sie kam vom Baumannshof in Oberaußem. Der Vater der Braut, Johann Wilhelm Baumann hatte, nach der Hochzeit, dem Schunkenhof in Oppendorf eine kleine Glocke geschenkt, für die heute noch vorhandene, dem heiligen Hubertus geweihte Hofkapelle.

Diese Glocke trägt die Inschrift:

„Mich schenkte zu Ehren der Allerseelenandacht J. W. Baumann“.

Die Kapelle, aus dem 17. Jh., wurde 1934 von Herrn Wilhelm Rath vollständig renoviert. Der Schunkenhof besitzt ein Messbuch aus dem Jahr 1675 mit der Inschrift „ad usum sacelli sancti Huberti in Oppendorf" (Zum Gebrauch in der Kapelle des hl. Hubertus in Oppendorf).

Rath Albert Hubert
* 26.06.1851 Morken
† 20.06.1930 Oppendorf
∞ 20.10.1885 Lipp, Maria Margaretha Baumann

Baumann Maria Margaretha
* 16.02.1855 Oberaussem
† Oppendorf

Rath Wilhelm
* Oppendorf     † Oppendorf
∞ 06.1926 Clementine Baumann

Baumann Clementine
* 22.12.1897 Eppinghoven
† 12.09.1984 Kirchtroisdorf

Rath Engelbert
* 06.02.1917 Oppendorf
† 24.06.1997 Oberaußem
∞ Antonia Hartmann

Nachfolger von Albert Hubert wird sein Sohn Wilhelm Rath, der obige Kapelle renovieren ließ. Dessen Ehefrau hieß Clementine Baumann, aus Haus Eppinghoven bei Neuss. Sie hatten drei Töchter und einen Sohn.

BildClementine Rath geb. Baumann, 1984

Engelbert Rath, war der Enkelsohn von Maria Margaretha Baumann. Ihr Bruder Peter Josef Baumann adoptierte Engelbert Rath, mangels Erben. Bei der Adoption von Engelbert Rath hatte Peter Josef Baumann aber zur Bedingung gemacht, dass dieser den Namen Baumann annehmen müsse. Man einigte sich dann auf den Doppelnamen Engelbert Baumann-Rath. Er wurde danach als Universalerbe des Baumannshofes in Oberaußem testamentarisch festgesetzt. Da Engelbert nach dem Tode von Peter Josef Baumann aber noch unmündig war, führte sein Vater, Wilhelm Rath vom Schunkenhof, bis zur Geschäftsfähigkeit seines Sohnes, die Geschäfte des Oberaußemer Gutes. Wilhelm Rath hatte dazu von 1930 bis 1947 auf dem Baumannshof einen Verwalter namens Christian Peters angestellt. Engelbert Rath heiratete Dr. Antonia Hartmann.

Aus der langjährigen Geschichte des Oppendorfer Hofs ist gut ersichtlich, wie die Pächter, Halfen oder Großbauern, je nachdem wie man sie nennen möchte, bestens vernetzt waren. Bereits im 16. Jh. fand der Schunken-Clan ihre Ehepartner aus Familien von Großhofpächtern. Dies setzt sich auch in den folgenden Jahrhunderten fort. Die Familie Rath ist zudem auch mütterlicherseit mit den Schunken verwandt. Weitere Recherchen waren aber wegen des Corona-Kontaktverbots nicht möglich.

Bericht von Heinz-Toni Dolfen, 2020
* bedeutet in Lipp der Tauftag.

Literatur
Gatzen, Wilhelm Dr. - Beiträge zur Geschichte von Halfen- und Adelsfamilien in Kurköln und im Herzogtum Jülich
Graf von Mirbach, W. - Beiträge zur Geschichte des Grafen von Jülich
Joerres, Peter - Urkundenbuch des Stiftes St. Gereon zu Köln, 1893
Historiches Archiv der Stadt Köln
Richter, Olaf - Petrus Simmius, genannt Ritz
Welters, Hans Dr. - Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte des Kreises Bergheim

Die Bilder ohne Nachweis sind von Heinz-Toni Dolfen.